Viel Vergnügen sagt mir heute Morgen das Display meiner Kaffeemaschine. Ehrlich gesagt, sie sagt das immer. Aber heute klingt es irgendwie anders. Ein bisschen höhnisch. Weil ich schon weiß, was gleich kommt.
Vielleicht kennen Sie das auch. Der Tag hat noch gar nicht begonnen und er ist schon voll. Früher gab es den kurzen Gang von einem Konferenzraum in den nächsten. Ein paar Schritte nur. Nichts Besonderes. Und doch ein kleiner Zwischenraum. Zum Durchatmen, zum Ankommen, zum Abstreifen.
Heute fällt selbst das oft weg. Die nächste Videokonferenz startet automatisch. Und wenn noch niemand da ist, denken wir, schnell noch dieses, schnell noch jenes.
Der reiche Kornbauer im biblischen Gleichnis hätte das vermutlich verstanden. Auch er konnte nicht innehalten. Er hat eine reiche Ernte und sein erster Gedanke, wohin damit? Was soll ich tun? Er plant, baut, sichert. Größere Scheunen, größere Speicher. Ein echter Macher. Initiative ergreifen, nicht lange diskutieren, losmachen. Nur eine Frage stellt er nicht. Wofür eigentlich?
Er spricht nur mit sich selbst. Ich will, ich habe, ich werde. Gott kommt in diesem Gespräch nicht vor. Der Nächste auch nicht. Nur er und seine vollen Scheunen.
Und zurück zu diesem Morgen. Die Videokonferenz startet und noch keiner ist da. 30 Sekunden, vielleicht eine Minute. Was machen Sie damit? Der Griff zur nächsten Mail liegt nah. Verständlich. Aber was wäre, wenn Sie diese Minute einfach stehen lassen? Durchatmen? Einen Gedanken loslassen? Kurz fragen, was ist jetzt eigentlich wichtig?
Manchmal spüren wir es. Dieser Kaffee, der kurze Blick aus dem Fenster, das Gespräch ohne Agenda. Das sind keine Unterbrechungen. Vielleicht sind das die Momente, in denen wir wieder empfänglich werden, für das Leben, für den Menschen neben uns, für Gott. Und wenn der Berg vor einem unüberwindlich scheint, wenn der Kalender keine Lücke lässt, dann ist genau das der Moment, innezuhalten. Nicht, weil man Zeit hat, sondern weil man sie braucht. Weil Gott in dieser Stille etwas sagen will, das in keiner Besprechung vorkommt. Und wo ist heute in Ihrem Tag ein Moment, den Sie bisher übersehen haben, und den Sie sich jetzt bewusst schenken könnten?
Das Display sagt, viel Vergnügen. Vielleicht ist das heute mehr als ein Standardsatz. Vielleicht ist es eine kleine Erinnerung. Gott sagt, ich bin da, auch in der Lücke, gerade in der Lücke. Nehmen Sie sie an als das, was sie ist, ein Geschenk.
Und ... bleiben Sie vergnügt.
(Sprecher: Lange, Jens | 27. September 2026, 06:56 Uhr, DLF)
Neuapostolische Kirche