Als anschauliches Beispiel diente ein altes Hemd. Eigentlich müsste es längst aussortiert werden. Doch nach jeder Wäsche scheint es „noch zu gehen“. Ähnlich halten Menschen manchmal an alten Verhaltensweisen fest, obwohl Gott Neues schenken möchte. Häufig verbinden wir Neues mit einem hohen Preis. Doch die „Kleider“, von denen die Bibel spricht, sind ein Geschenk Gottes.
Zu dieser Kollektion gehört unter anderem das Kleid der Demut – eine Haltung, die wir bewusst tragen dürfen. Ebenso sprach der Bischof über das herzliche Erbarmen. Dieses erschöpft sich nicht in einem schnellen „Es tut mir leid“. Echtes Erbarmen kommt aus dem Herzen und zeigt sich bereits in kleinen Gesten der Aufmerksamkeit und Freundlichkeit – manchmal schon in einem aufrichtigen „Guten Tag“.
Ein weiterer Gedanke galt dem Kleid der Naherwartung. Ist diese Erwartung auf das Wiederkommen Christi noch lebendig? Nicht jedes Kleid passt sofort. In manches dürfen und müssen wir erst hineinwachsen. Der geistliche Weg ist ein Prozess, auf dem Gott uns begleitet.
Vorsteher Frank Renaud knüpfte im Mitdienen daran an und betonte, dass Gott uns das neue Kleid der Gnade schenkt – keine alten Lumpen. Diese Gnade darf im täglichen Leben sichtbar werden. Dazu gehört auch Mitgefühl für Menschen, die diese „Kleider“ noch nicht kennen oder bisher nicht erfahren haben. In diesem Zusammenhang verwies er auf den bevorstehenden Entschlafenengottesdienst und erinnerte daran, Gottes Gnade und Hoffnung weiterzutragen.
Bischof Knispel erzählte eine persönliche Begebenheit. Ein alter Jogginganzug eines Kindes war längst nicht mehr passend und hätte entsorgt werden sollen. Doch jedes Mal flossen Tränen, sodass die Entscheidung aufgeschoben wurde. Selbst nachdem das Kleidungsstück heimlich weggeworfen worden war, wurde es in der Mülltonne wiederentdeckt – dies führte widerum zu Tränen, aber es durfte erneut bleiben.
Dieses Bild machte deutlich: So schwer es uns oft fällt, uns von Altem zu trennen, so geduldig handelt Gott mit uns. Er schenkt immer wieder neue Gelegenheiten, umzukehren und seine Gnade anzunehmen. Seine Geduld gibt uns die Möglichkeit, das neue Leben in Christus Schritt für Schritt anzuziehen – mit herzlichem Erbarmen, Güte, Demut, Sanftmut und Geduld.
Neuapostolische Kirche