Huch, denke ich, als der Rettungshubschrauber direkt über mich hinweg fliegt. Und erstaunlich, dass so ein Ding überhaupt fliegen kann. Ist das nicht voll unrealistisch? Es gibt viele Momente, da schauen Menschen automatisch nach oben. Wenn Wolken in einem besonderen Licht stehen, wenn nachts die Sterne sichtbar werden oder eben bei einem Hubschrauber. Der Blick nach oben kann etwas in uns öffnen. Er erinnert uns daran, dass unsere Welt größer ist als das, was direkt vor unseren Augen liegt. Und viele Dinge davon können wir einordnen.
Und wie ist das mit Himmelfahrt? Der Name klingt groß und fremd zugleich. Himmelfahrt.
Jesus fährt in den Himmel. Für moderne Ohren kann das schnell wie ein Bild aus einer anderen Welt klingen. Weit weg von unserem Alltag. Weit weg von unseren Fragen. Weit weg von dem, was Menschen heute bewegt. Aber die biblische Botschaft bleibt nicht beim Blick nach oben stehen. Zwei Männer sagen sinngemäß, bleibt nicht einfach stehen und start zum Himmel. Euer Weg geht weiter. Eure Aufgabe liegt auf der Erde. Das macht Himmelfahrt erstaunlich aktuell. Sie ist kein Fest der Weltflucht. Sie ist ein Fest der Sendung.
Wer auf Christus hofft, wird nicht aus der Verantwortung entlassen, sondern mitten in die Welt gestellt. Heißt doch aber auch, der Blick zum Himmel ist nicht falsch, aber er darf nicht dazu führen, dass wir die Erde vergessen. Das Evangelium Christi in die Welt tragen beginnt damit, nicht wegzusehen. Vielleicht wo jemand einsam ist. Wo jemand überfordert ist. Wo Streit, Angst und Sprachlosigkeit herrschen.
Christlicher Glaube lebt nicht in Kirchenräumen, sondern im Alltag. Am Arbeitsplatz, in der Familie, im Krankenhaus, im Supermarkt und der Nachbarschaft. Und ja, auch in digitalen Räumen. Nicht wegsehen, wo Hass und Hetze die Vorherrschaft haben, sondern einschreiten, laut sein, einen Gegenpol anbieten.
Himmelfahrt erzählt uns von der Sendung der Jüngerinnen und Jünger. Jesus sendet sie nicht mit Angst, sondern mit Verheißung. Himmelfahrt heißt, Gott ist nicht weg, er ist dir nahe. Du bist geliebt. Dein Leben ist nicht vergebens. Himmelfahrt erzählt uns die Geschichte der Hoffnung, einmal bei Gott zu sein. Und die Form, in der wir Christen davon erzählen, könnte diverser nicht sein. Die einen tragen das Evangelium weiter durch ein gutes Wort. Andere durch Musik. Wieder andere durch praktische Hilfe. Oder durch Verlässlichkeit, durch Gebet. Oder einfach dadurch, dass sie in einem schwierigen Umfeld menschlich bleiben. Himmelfahrt schickt uns nicht weg von der Erde, sondern tiefer hinein in diese Welt. Mit einem offenen Herzen, mit wachen Augen und mit der Hoffnung Christi.
(Sprecher: Lange, Jens | 14. Mai 2026, 06:56 Uhr, DLF)
Neuapostolische Kirche